• FA-108341 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Metallbearbeitung
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Guillochiermaschine, 1835

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Ein Mittelding zwischen Werkzeug und Maschine, eine Freude zum Betrachten: Wer möchte angesichts dieses Geräts behaupten, dass Schönheit und Funktionalität einander ausschließen?

Das Guillochieren ist eine Sonderform des Drehens oder Drechselns. Dabei wird die Oberfläche eines Gegenstands mittels verschiedener Linien, vor allem vertieft eingedrehter Kreise, verziert. Deren Lage und ihre Durchschneidung lässt eine Reihe von Mustern zu.

Dieses Gerät des Technischen Museums Wien wurde von Georg Altmütter entwickelt. Er unterrichtete als Professor für mechanische Technologie am Polytechnischen Institut in Wien und zählte zu den führenden Fachleuten seiner Zeit. Die Fertigung erfolgte durch den Mechaniker Samuel Bollinger, der später eine Maschinenfabrik in der Leopoldstadt gründete. Zu dieser Zeit wurden Guillochierungen überwiegend für Gegenstände aus Gold und Silber, wie Dosen und Uhrgehäuse, gebraucht. Die Maschinen waren teuer und ließen sich kaum zur Bearbeitung von Holz verwenden, weil die Drehstähle beim Drehen Risse bekamen und reine Schnitte dadurch unmöglich wurden.

Altmütters Maschine war klein, sie wog nur rund 20 Kilogramm, konnte leicht transportiert und auf einen gewöhnlichen Tisch gestellt werden. Sie besaß kein Schwungrad, der Guillocheur konnte vor ihr sitzen und benötigte lediglich seine Hände zur Bewegung. Dies gewährleistete schnelleres Arbeiten als auf einer größeren Kunstdrehbank. Man konnte auf Altmütters Konstruktion auch ganz feine und harte Hölzer wie Ebenholz, Guajak, Rosenholz, Buchs- und Birnbaumholz sehr rein bearbeiten. Beim Erzeugen der Linien wurde nicht das zu bearbeitende Stück, sondern der ritzende Drehstahl in Bewegung gesetzt, was die Realisierung neuartiger Muster ermöglichte. Und der Preis betrug lediglich ein Fünftel der Kosten für eine große, gut gearbeitete englische oder französische Maschine dieser Art.


Hersteller: Samuel Bollinger, Wien

Entstehungszeit: 1835

Inv.Nr. 23581
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