Kassette mit Werkzeug, um 1910

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Holzbearbeitung
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Werkzeuge aus mehreren Ländern, einträchtig vereint auf engem Raum. Sie stehen gleichermaßen für unterschiedliche Handwerkskulturen wie für abweichende Wege zur Industrialisierung.

In dieser Kassette aus der Sammlung des Technischen Museum Wien sind Werkzeuge aus den USA, Deutschland und Österreich versammelt: Kehl-, Sims-, Schiff- und Abplatthobel, Winkel- und Quersäge, Fuchsschwanz und Kreissägeblatt sowie Bohrwinde, Leimzwinge und Staucheisen. Auffällig ist ein ganz aus Metall gefertigter Hobel. Im traditionellen Handwerk bestanden Hobel aus Holz. Seit dem 19. Jahrhundert fertigten Fabriken in England und den USA die Hobelkörper zunehmend aus Bronze, Eisen oder Stahl. Die genormten Bestandteile des Werkzeugs waren so genau gefertigt, dass sie bei Bedarf untereinander austauschbar waren. Dieser „Austauschbau“ erleichterte die Erzeugung größerer Stückzahlen. Es wurden auch Universalhobel konstruiert, die sich je nach Verwendung unterschiedlich einstellen und verstellen ließen. Bemerkenswert unter den Objekten in der Kassette ist die Nachahmung einer japanischen Quersäge, hergestellt vom Unternehmen Vogel & Noot im steirischen Wartberg. Ob es sich hier um eine Referenz an die hoch entwickelte japanische Handwerkskultur handelt?

Der größte österreichische Hersteller von Holzwerkzeugen war die Firma Johann Weiss & Sohn. Sie wurde 1820 in Wien gegründet. Rechtzeitig vor der Londoner Weltausstellung veröffentlichte das Unternehmen 1861 ein großformatiges Prachtwerk mit 700 Abbildungen seiner Produkte. Bereits der Titel verrät die Bandbreite der Produktion: „Atlas österreichischer Werkzeuge für Holzarbeiter, namentlich für Tischler, Instrumentenmacher, Eisenbahn-Werkstätten, Zimmerleute, Binder, Wagner, Schäfter, Sesselflechter, Zündhölzchen-Fabriken, ferner Werkzeug für Buchbinder, Riemer, Glaser und Dilettanten“. 1914 beschäftigte Weiss & Sohn 600 Personen. Der Verlust großer Absatzgebiete nach dem Ersten Weltkrieg leitete den allmählichen Niedergang des Betriebs ein.


Entstehungszeit: um 1910

Inv.Nr. 341/5

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