Modell einer Tiefbohranlage System Rapid

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Energie & Bergbau
Sammlungsgruppe
Montanwesen
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Noch vor der Jahrhundertwende wurden für die Erdölgebiete der österreichischen Provinz Galizien Bohranlagen entwickelt, mit denen Erdöllagerstätten bis in 2.000 Metern Tiefe erreicht wurden.

In der Frühzeit der Erdölindustrie war die „pennsylvanische“ Bohrmethode weit verbreitet. Sie entsprach dem Seilschlagverfahren: Das Gestein wurde durch Fallenlassen eines schweren Meißels zertrümmert und anschließend mithilfe eines sogenannten Schmantlöffels, einem Rohr mit Rückschlagkappe am unteren Ende, entfernt.

In den 1880er-Jahren wurde vom kanadischen Erdölpionier William H. McGarvey die „Kanadische Bohrtechnik“ nach Galizien gebracht: Das feste Bohrgestänge erlaubte ein viel schnelleres Schlagen und ermöglichte außerdem die Einführung des Spülbohrverfahrens. Dabei wird eine Spülflüssigkeit durch das hohle Bohrgestänge gepumpt, die beim Bohrmeißel austritt. Bei ihrem Rückfluss durch den Ringraum zwischen Bohrstrang und Gestein transportiert sie den Bohrschmant kontinuierlich nach oben.

Die Wiener Bohrfirma Fauck entwickelte darauf aufbauend das System „Rapid“: Die Umwandlung der rotierenden Bewegung der Antriebswelle in ein Auf- und Ab des Bohrgestänges erfolgte hier mit Ketten oder Seilen über eine exzentrisch angeordnete Scheibe und nicht mehr über ein Balancier. Durch Wegfallen der schweren Masse des Balanciers, den kleinen Hub von nur 50 bis 100 Millimetern und die sehr genaue Führung der Kette, war es möglich, sehr schnell zu schlagen: 100 bis 250 Schläge pro Minute ermöglichten Tagesleistungen von bis zu 60 Metern und Tiefen bis zu zwei Kilometern.

Der im galizischen Erdölgeschäft sehr erfolgreiche McGarvey übersiedelte später nach Wien und wurde Mitglied des Reichsrats und des Kuratoriums zur Gründung des Technischen Museums Wien 1910.


Inv.Nr. 9746

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