• IMG_3063_bearbeitet-2.jpg Detailansicht Modell „Zwentendorf“, © Technisches Museum Wien
Sammlungsbereich
Energie & Bergbau
Sammlungsgruppe
Elektrotechnik
Ausstellung
ON/OFF
Epoche
1970 - 1979

Modell Kernkraftwerk Zwentendorf

Das Kernkraftwerk Zwentendorf ist weltweit das einzige, das nach der Fertigstellung nie ans Netz ging. Bei der Volksabstimmung 1978 sprach sich eine knappe Mehrheit gegen die Inbetriebnahme aus.

Die Atomeuphorie der Nachkriegsjahre machte auch vor Österreich nicht halt: 1956 wurde der erste Forschungsreaktor in Seibersdorf eingerichtet, 1957 wurde Wien Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation. Die Kernenergie war damals die Zukunftsenergie schlechthin und sollte nun auch rasch Strom für das österreichische Wirtschaftswunder bieten.

Bereits die Regierung Klaus sah den Bau eines Kernkraftwerks vor. 1971 unter Bruno Kreisky beschlossen, wurde 1972 der Bau des 723 MW-Siedewasserreaktors in Angriff genommen. Auch bei St. Valentin in Niederösterreich und im kärntnerischen St. Andrä war je ein Kernkraftwerk in Planung.

Mit dem Baufortschritt formierte sich jedoch über Parteigrenzen und ideologischen Hintergrund hinweg Widerstand in der Bevölkerung. Das Kraftwerk spaltete nicht Atome, sondern die Gesellschaft. Als Kreisky 1978 Österreichs erste Volksabstimmung riskierte, stimmten 50,47 % gegen die Inbetriebnahme. Noch im Dezember 1978 beschloss der Nationalrat mit dem Atomsperrgesetz das Verbot von Kernkraftwerken in Österreich. 1999 wurde das Verbot in den Verfassungsrang gehoben. Seit dem Super-GAU in Tschernobyl 1986 wurde die Anti-Atompolitik in Österreich gesellschaftlicher und parteipolitischer Konsens.

Der stillgelegte Siedewasserreaktor diente als Ersatzteilespender für die baugleichen deutschen Kraftwerke Isar 1, Brunsbüttel und Phillipsburg 1 sowie zu Ausbildungszwecken für die deutsche Kraftwerksschule e. V. in Essen. Das „stranded investment“ belief sich insgesamt auf etwa 14 Milliarden Schilling (etwa 1 Milliarde Euro). Das Modell aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien war 1978 im Informationszentrum der Betreibergesellschaft GKT ausgestellt.

Herzlichen Dank an: Gemeinschaftskraftwerk Tullnerfeld GmbH
Entstehungszeit: um 1978
Modell 1:100


Inv.Nr. 50934
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