Schellack-Musterkoffer, London, nach 1939

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Kunststoffe
Epoche
1930 - 1939
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Rund 300.000 Lackschildläuse sind rund um die Uhr im Einsatz – für nur ein Kilogramm Schellack. Und das nicht nur für runde schwarze Scheiben, die Musik machen. Schellack kann noch viel mehr.

Schellack ist eine harzartige Substanz, die aus den Ausscheidungen (Gummilack) von speziellen Pflanzenläusen erzeugt wird. Mit anderen Worten, die Läuse verwandeln bestimmte Pflanzensäfte in Harze. Dies tun sie hauptsächlich in Süd- und Südostasien, vor allem in Indien und Thailand. Die von den Ausscheidungen völlig überzogenen Zweige werden geerntet, und das Harz wird in mehreren Schritten vom Holz und anderen Verunreinigungen gesäubert. Je nach Rohstoff und Verarbeitung erhält man Schellack gebleicht oder in unterschiedlichen Farbtönungen.

Als Schellackplatte hat das Material am meisten Furore gemacht. Als die heutigen Kunststoffe noch nicht zur Verfügung standen, diente Schellack bis in die 1960er-Jahre zur Herstellung bzw. Oberflächenversiegelung von Schallplatten. Weitere vielfältige Anwendungen findet Schellack nach wie vor in Produkten wie Lack, Firnis, Politur, Tusche oder Imprägniermitteln. Weniger bekannt ist die Verwendung von Schellack in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pharmazie (etwa als Überzug bei Dragées) sowie in der Naturkosmetik (z. B. Haarspray), denn die rein natürliche Substanz ist biologisch abbaubar und gesundheitlich unbedenklich.

Der Schellack-Musterkoffer des Technischen Museums Wien liefert im Deckel eine umfangreiche Beschreibung zur Geschichte, Gewinnung, Ernte, Aufbereitung, Verarbeitung und Verwendung des Materials. Der Hersteller betont ausdrücklich, alle seine Schellack-Sorten „are guaranteed to be free from Rosin and Orpiment“, falls nicht ausdrücklich anders erwähnt. Der Hinweis, vor 1939 sei es üblich gewesen, Schellack mit Harzen und Auripigment zu verfälschen, legt eine Datierung des Objekts in die 1940er Jahre nahe.

Heute gewinnt Schellack als natürliche Alternative zu synthetischen Harzen wieder zunehmend an Bedeutung. 

Hersteller: Robert Stewart & Sons Ltd., London
Entstehungszeit: nach 1939

Inv.Nr. 28371

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