• FA-114850 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-114852 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Metallbearbeitung
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Zuckerschale mit Deckel, Eisenkunstguss, 1821

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Technische Neuerungen brachten den „schönsten Spross des Eisenhüttenwesens“ hervor: den künstlerischen Eisenguss. Seine Blütezeit war die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da boomte er geradezu.

Die Produktion des Eisenkunstgusses lag überwiegend in adeliger Hand. Die Grafen Wrbna in Horschowitz (Horovice, Böhmen) fertigten ihn ebenso wie die Grafen Salm in Blansko (Mähren) oder die Landgrafen zu Fürstenberg in Neu-Joachimsthal (Nový Jáchymov, Böhmen). Weitere bedeutende Unternehmen waren das k. k. Eisengusswerk in Mariazell (Steiermark) und außerhalb der Habsburgermonarchie die Königlichen Eisengießereien in Preußen mit ihren Standorten Berlin, Gleiwitz (Gliwice, Schlesien) und Sayn (Rheinland-Pfalz). Ein bürgerliches Unternehmen dagegen war die Eisengießerei Joseph Glanz in Wien.

Neue Kupolöfen (kleine Hochöfen) machten es möglich: In ihnen konnte das Roheisen unabhängig vom Ort der Erzeugung direkt in den Gusswerken umgeschmolzen werden. Dies bereitete, neben dem Guss von Öfen, Maschinenteilen oder Kanonen, nun auch dem Feineisenguss den Weg. Die Produktpalette war groß: Büsten und Statuen, Reliefs und Medaillons, Kruzifixe und Leuchter, Schreibzeuge und Briefbeschwerer, Blumengeschirre und Vasen, Schalen und Teller, Körbchen und Dosen, filigraner Schmuck und anderes mehr. Eine der produktivsten böhmischen Eisengießereien der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die der Grafen Wrbna. Die innen emaillierte Zuckerdose mit Deckel aus dem Technischen Museum Wien steht exemplarisch für eine Vielzahl an Kunstgussobjekten, die aus diesem Unternehmen hervorgingen.

Die Herstellung des Eisenkunstgusses geschah in drei Arbeitsphasen: Formerei, Guss und Nachbearbeitung. Gegossen wurde in Sandformen, deren Erzeugung hochqualifizierte Facharbeit war. Die Rohlinge wurden nach dem Guss aus den Formen befreit, geputzt, Stege bzw. Gussnähte entfernt und die schwarz- bis bläulichgrauen Stücke abschließend – meistens durch einen Leinölfirnis – geschwärzt. 

Hersteller: Graf Wrbna in Horschowitz (Horovice, Böhmen)
Entstehungszeit: 1821



Inv.Nr. 5578/1
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