• 10-11_Abb_1_restaurierung.jpg Fassungsfestigung an der Oberfläche des Eisschranks, © Technisches Museum Wien, Michaela Stankovsky
Ein Praktikum in der Restaurierwerkstatt

Sehen, verstehen, mitarbeiten

Was Leben, Lehre und Mitwirkung in einer der großartigsten zentraleuropäischen Metropolen bedeutet, habe ich als Praktikantin des Technischen Museums Wien von Februar bis Ende Juni 2018 erlebt. Dies war mittels der Unterstützung des Europäischen Mobilitätprogramms Erasmus+ und der MitarbeiterInnen des Bereichs Konservierung-Restaurierung möglich. Das Praktikum bot mir die wunderbare Möglichkeit, meinen professionellen Horizont zu erweitern. Ich kehre nun mit vielfältigen Erfahrungen in meine lettische Heimat – nach Riga – zurück.

Tätigkeit, Herausforderungen und Überraschungen

Zumeist war ich in der Restaurierwerkstatt im Depot Breitensee engagiert. Da die Werkstatt sehr gut organisiert ist, konnte ich mich rasch in den neuen Räumlichkeiten orientieren. Auch der offene Zugang zur Fachliteratur und die Recherchemöglichkeiten in der Museumsbibliothek und dem Archiv waren sehr hilfreich.

Eine der größten Überraschungen war die Vielfalt von Aufgabenstellungen, die die Beschäftigung mit einem Objekt anbieten kann. Diesmal war es ein gefasster hölzerner Eiskasten aus dem Jahr 1903, an dem ich vorwiegend tätig war. Es war ein komplizierter Fall von völlig abblätternder Fassung auf Holz und Metall, der erheblich verschmutzt war. Schritt für Schritt haben wir uns – der Kasten und ich – kennengelernt, um die besten Methoden zu finden, die für die Stabilisierung und Reinigung der Fassung notwendig war. Ohne die Hilfe von erfahrenen Kollegen wäre das nicht möglich gewesen.

Eine weitere Aufgabe war die Vorbereitung von Archivalien aus Papier für die Präsentation in der Sonderausstellung „Geliebt – gelobt – unerwünscht”. Dazu montierte ich die 43 Objekte auf jeweils passend zugeschnittene Kartons.

Fotoprojekt in Haringsee

Weiters hatte ich die Möglichkeit, bei einem großen Fotoprojekt zur Feinerschließung der Straßenfahrzeuge für die Online-Datenbank im Depot Haringsee mitzuarbeiten. In der ersten Woche haben wir die Fahrräder zum Fotografieren vorbereitet. Das bedeutete das Auspacken der Objekte, die Bewertung des Zustandes und – wenn zeitlich möglich – die Erfassung der Materialien, aus denen sich die Objekte zusammensetzen. Einige instabile Räder erforderten Sicherungsmaßnahmen. Nach der Aufnahme mussten die Objekte wieder verpackt werden. So habe ich nicht nur viel über solche Museumsobjekte und die damit verbundene Terminologie erfahren, sondern auch über die Vielfalt der musealen Verpackungsmaterialien und deren Eigenschaften gelernt.

Im Allgemeinen war die Diversität von Aufgaben für mein Praktikum charakteristisch. Egal, ob es großflächige Konservierungsmaßnahmen am Postautobus oder die Reinigung der sehr empfindlichen Glühbirnen der Sammlung Kremenetzky waren, ich habe dabei neben den theoretischen Grundlagen neue, praktisch verwendbare Kenntnisse und Erfahrungen gewonnen, die für meinen Berufsalltag sehr wichtig sind.

Mein Dank gilt den MitarbeiterInnen des Museums, die mich in die Spezifik der Restaurierung von technischem Kulturgut eingeführt haben. Erstaunlich fand ich die Dimensionen der Objekte sowie die Vielzahl der Arbeitsstunden, die nötig sind, um konservatorische Maßnahmen an einem Objekt durchzuführen. Besonderes Interesse habe ich dabei an der Oberflächenreinigung entwickelt, die auch weiter einer der Schwerpunkte meiner Tätigkeit sein wird.

Alma Grīniece
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