• FA-123751 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Textilien und Bekleidung
Epoche
1900 - 1909
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Fez für Frauen, Anfang 20. Jh.

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Zylinder, Baskenmütze, Schleier – Kopfbedeckungen rufen Assoziationen und Emotionen wach. Sie stehen für Mentalität und Wirtschaftsweise, Kultur und Religion, Uniformität und Vielfalt.

Die „türkischen Kappen“ stammten ursprünglich aus Nordafrika. Lange wurden sie in Tunis und in der marokkanischen Stadt Fez hergestellt, die ihnen den Namen gab. Im 18. Jahrhundert begannen auch Betriebe in Italien und Südfrankreich, die krempenlosen Mützen mit flachem Deckel und hängender Quaste zu produzieren. Um 1780 wurden Feze erstmals in Brünn gefertigt. Anfangs ließen die Fabrikanten die Kappen auf dem Land, in Mähren, Böhmen und Oberösterreich händisch stricken, später wurden sie auf Stühlen gewirkt. Vom Stuhl kamen die Mützen in die Walke, anschließend wurden sie auf eine Form gestülpt, aufgeraut, geschoren und genoppt. Nach dem Färben erfolgte eine Pressung zwischen heißen Metallplatten.

Der kleine böhmische Ort Strakonitz (Strakonice) entwickelte sich zu einem europäischen Zentrum der Fezherstellung. Dort begannen um 1800 mehrere Strumpfwirker, für einen Linzer Kaufmann rote Kappen zu erzeugen. Ab 1809 lehrte sie ein aus dem Krieg zurückgebliebener französischer Soldat, diese auch zu veredeln. Danach gaben in Wien ansässige türkische Kaufleute in Strakonitz Waren für den Absatz auf dem Balkan in Auftrag. Der Handel mit Schiffen des Österreichischen Lloyd verschaffte den Erzeugnissen einen hohen Bekanntheitsgrad.

In den 1830er-Jahren leiteten die osmanischen Herrscher Reformen ein, bei denen sie sich oft an europäischen Vorbildern orientierten. Unter anderem verboten sie in der Armee und der Beamtenschaft das Tragen des traditionellen Turbans und führten den Fez als Kopfbedeckung ein. Alsbald wurde dieser zum Modeartikel, was den österreichischen Herstellern sehr zugutekam. Mitte der 1860er-Jahre erzeugte die Firma Volpini in Niederösterreich 30.000 Dutzend solcher Kappen im Jahr. Bei Wolf Fürth & Co. in Strakonitz verfertigten 700 Personen jährlich gar 100.000 Dutzend Feze.


Hersteller: Fezfabrik Thomas Novotny & Co., Batelau (Batelow), Mähren

Entstehungszeit: Anfang 20. Jh.

Inv.Nr. 72673/3
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