• FA-117759 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Alltag
Sammlungsgruppe
Bautechnik
Ausstellung
Alltag - eine Gebrauchsanweisung
Epoche
1930 - 1939

Modell „1. Hochhaus in Wien“, um 1930

Geht man in Wien durch die Herrengasse, wird einem nicht auffallen, dass hier ein Haus um ein paar Stockwerke höher ist als all die anderen.

Seine obersten Etagen sind nach hinten abgestuft. An der Herrengasse sind bis zur erlaubten straßenseitigen Bauhöhe (Traufhöhe) nur 8 Stockwerke sichtbar. Im Eckbereich des Gebäudes, der nach hinten versetzt ist, erreicht das Haus dagegen mit 16 Stockwerken eine Gesamthöhe von fast 53 Metern.

In Wien gab es um 1930 einen Wettlauf um den Bau des ersten Hochhauses. Der Bau in größere Höhen war aber nicht nur mit den Begriffen „Fortschritt“ und „moderne Stadt“ verbunden, die Höhenentwicklung war auch umstritten. Das Wohnhaus in der Herrengasse auf dem Grundstück des ehemaligen Palais Liechtenstein sollte deutlich höher sein als die umliegenden Gebäude, was aber nicht als störend empfunden werden durfte.

Auch die Ausführung in einer Stahlbeton- und Stahlskelett-Bauweise auf einer Fundamentplatte war in Wien nicht üblich. Im Untergeschoss lagen eine Dampf-Zentralheizungsanlage zur bequemeren Wärmeversorgung und eine große Wäscherei für die Hausbewohner. Die Küchen der Wohnungen wurden mit E-Herden anstelle von Gasherden ausgestattet. Das war etwas ganz Neues. Mit dem E-Werk wurde dafür ein eigener günstigerer Tarif ausgehandelt.

Das Modell des Hochhauses in der Herrengasse aus der Zeit zwischen 1930 und 1932 wurde dem Technischen Museum Wien 1933 von seinen Architekten Theiss und Jaksch gewidmet. Es zeigt durch den Blick von oben und allen Seiten die Staffelung des Baukörpers. Von der Hofseite betrachtet, wird im zentralen Stiegen- und Lifthaus auch die volle Gebäudehöhe sichtbar.

Das nächste Hochhaus in Wien, der „Ringturm“, ein Bürogebäude am Schottenring, wurde erst in den Jahren 1953 bis 1955 errichtet. Es wurde von Architekt Erich Boltenstern mit 23 Stockwerken und einer Höhe von 73 Metern geplant.


Inv.Nr. 7459
Member of