Würfelstangen, Zucker, 1. Hälfte 20. Jh.

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Nahrungs- und Genussmittel
Epoche
1900 - 1909
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Anfang der 1840er-Jahre im mährischen Datschitz (Dačice): Juliana Rad verletzte sich beim Zuckerbrechen. Ein an sich nicht außergewöhnlicher Unfall gilt als die Geburtsstunde des Würfelzuckers.

Ehemann Jacob Christoph Rad, Leiter der dortigen Zuckerfabrik, suchte nach einer Lösung für ein leidiges Problem seiner Zeit: Den damals üblichen steinharten und unhandlichen Zuckerhüten musste mit Zuckerbrecher, -hammer und -hacke zu Leibe gerückt werden, um sie in kleine Stücke zu zerlegen.

Rad hatte die Idee – nein, diese stammte angeblich von seiner Frau –, mundgerechte Zuckerstücke in einem einzigen Herstellungsschritt zu produzieren. Dazu goss er die feuchte Zuckermasse nicht mehr zum Trocknen in große Keramikkegel, sondern füllte geraspelte feuchte Zuckerhutspäne in Würfelformen aus Blechstreifen, unseren heutigen Eiswürfelbehältern nicht unähnlich. Mit Stempeln wurde die feuchte Zuckermasse unter Druck zusammengepresst und anschließend getrocknet. Fertig waren die ersten Zuckerwürfel. 1843 ließ sich Rad seine Erfindung patentieren und erhielt nach damaligem Sprachgebrauch ein Privilegium zur Erzeugung des Würfelzuckers.

Die „Würfelstangen“ des Technischen Museums Wien stammen aus einer Zeit, als feuchte Zuckermasse in Blöcke gegossen und anschließend zu Stangen und Würfeln zersägt wurde. Dieses Verfahren hatte der Belgier Théophile Adant um 1900 erfunden. Fast 50 Jahre lang wurde auf diese Art Würfelzucker erzeugt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zum gepressten Zuckerwürfel zurück. Anstelle geraspelter Zuckerhutspäne stand nun jedoch befeuchteter Streuzucker zum Pressen zur Verfügung. Bis heute wird neben anderen Formen – etwa denen des Kartenspiels, auch als Bridgezucker bekannt – vor allem der süße Kubus bzw. Quader als beliebteste Form des Würfelzuckers im Pressverfahren erzeugt.

Dačice, der Geburtsort des Würfelzuckers, hat dem Erfinder und seiner Erfindung sowohl mit einem Gedenkstein als auch mit einem Zuckermuseum ein Denkmal gesetzt. 
 

Hersteller: Zuckerfabrik der Brüder Strakosch, Hohenau (NÖ)
Entstehungszeit: 1. Hälfte 20. Jh.

Inv.Nr. 80470/1

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